Making Chaos

- wie Dilettanten in Frankfurt die Verkehrswende vermasselten -

Sie wussten, was sie wollen . . .

Sie hatten Vorbilder: Paris, Amsterdam, Kopenhagen, Wien. Sie wollten fortschrittlich sein. Frankfurt sollte auch eine autofreie Innenstadt bekommen. In der Innenstadt sollte es weniger Lärm, weniger Emissionen, eine bessere Lebensqualität geben. Und Kindern und Radfahrern wollte man mehr Platz und mehr Sicherheit verschaffen.

. . . aber sie wussten nicht, wie es geht

Einen Plan, ein Konzept, eine Strategie gab es nie. Für jeden Abteilungsleiter in der Wirtschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, dass nach dem Ziel und vor den Maßnahmen die Strategie stehen muss. Nicht so für die für den Verkehr verantwortliche SPD. Der designierte Bundestags-Kandidat der SPD, Oliver Strank: "Eine Verkehrswende kann man nicht planen. Man muss einfach mal machen und dann nachsteuern."

Und so machten sie es dann auch. Sie stellten ohne jeden Plan und ohne jede Vorbereitung einfach Betonpoller am Mainkai (einer Hauptverkehrsstraße! ) auf und schauten zu, was passiert. Der SPD-Verkehrsdezernent: "Die Autos sollen sich ihren Weg suchen".


Von vornherein wurde versucht, ganz Frankfurt für dumm zu verkaufen . . .

Einen Plan, die Autos, die man am Mainkai loswerden wollte, unter die Erde zu bringen wie z. B. in Düsseldorf gab es nicht. Auch keine einzige Maßnahme, die den Verkehr vor der Sperrung reduziert - keine Verbesserung der P&R-Infrastruktur, keine Verbesserung / Verbilligung des ÖPNV, keine City-Maut, keine Pförtner-Ampeln, nichts!

Nur das Verlagern von Verkehrsmassen in ohnehin schon überlastete Stadtteile.

Wer einmal in einer Frankfurter Verkehrsausschusssitzung war, weiß, dass nicht alle, die da in der Runde sitzen, auf höchstem intellektuellem Niveau ticken. Diesen Leuten kann man den größten Unsinn vorsetzen - wenn "Verkehrswende" drüber steht, gibt es Beifall, selbst dann, wenn es das genaue Gegenteil einer Verkehrswende ist.

Innenstadt - mehr Verkehr statt autofrei

Autofreie Innenstadt ?

Man versprach den Bürgern eine autofreie Innenstadt - und drängte einen signifikanten Teil des Mainkai-Verkehrs noch zusätzlich in die ohnehin schon hoch belastete Berliner Straße - mitten ins Herz der Innenstadt .

Eine Erhöhung des Verkehrsaufkommens in der Berliner Straße und ihren Nebenstraßen, deutlich mehr Verkehr in allen Straßen in der Innenstadt - das wurde den Bürgern als erster Schritt zu einer autofreien Innenstadt verkauft!

Chaos im Schaumainkai

Mehr Lebensqualität ?

Man versprach mehr Lebensqualität, bessere Luft, weniger Lärm - und erhöhte ausgerechnet dort, wo Frankfurt seit Jahrzehnten die größten Verkehrsprobleme hat - in der Innenstadt und Nordsachsenhausen - das Verkehrsaufkommen. Anstatt die Bürger in diesen Stadtteilen zu entlasten, drängte man ihnen noch zusätzlich den Mainkai-Verkehr in ihre ohnehin schon überlasteten Straßen.

Die Erhöhung der Emissions- und Lärmbelastung in allen zentralen Stadtteilen wurde den Frankfurtern als Verbesserung der Lebensqualität verkauft!

Schweizer Straße - gefärlich für Radfahrer

"Leuchtende Kinderaugen" ?

Der Mainkai wurde angeblich für Kinder gesperrt. In der Innenstadt gibt es aber kaum Kinder, das ist ein Geschäftsviertel, in dem es nur eine einzige Grundschule am Anlagenring gibt, meilenweit entfernt vom Mainkai. Ganz anders in Sachsenhausen, da gibt es acht Grundschulen, im Bahnhofsviertel weitere zwei. Und genau da wo es die meisten Kinder gibt, wurde das Verkehrsaufkommen erhöht.

Die bewusste Gefährdung von 5.000 Kleinkindern in Sachsenhausen und im Bahnhofsviertel wurde den Frankfurtern als Verkehrswende für Kinder verkauft!


. . . und halb Frankfurt ließ sich für dumm verkaufen

Obwohl die negativen Folgen offensichtlich waren, klatschten und klatschen bis heute viele. An forderster Front die Frankfurter Radfahrerlobby. Wenn es darum geht, Autofahrer zu verdrängen, ist ihnen jedes Mittel recht, selbst wenn dadurch die eigene Klientel gefährdet wird - Autofahrer-Bashing ist wichtiger als Radfahrer-Interessenvertretung. Oder sollte es im Interesse von Radfahrern sein, wenn es im gesamten Stadtzentrum mehr Verkehr, mehr Abgas-Emissionen und eine höhere LKW-Dichte gibt? Sollte es im Interesse von Radfahrern sein, wenn den Sachsenhäuser Bürgern Radwege verweigert werden, weil die Straßenkapazität für die zusätzlichen Verkehrsmassen vom Mainkai benötigt wird?

Auch einige Umweltschutz-Organisationen wie Greenpeace und FFF ließen sich für dumm verkaufen und für das Gegenteil einer Verkehrswende vor den Karren spannen. Sie demonstrierten für eine Maßnahme, die im ganzen Stadtzentrum zu einer höheren Lärm- und Emissionsbelastung führt.

Mehr Lebensqualität mit mehr Verkehr ???

Es ist das Selbstverständlichste schlechthin, dass es eine bessere Lebensqualität, weniger Lärm, weniger Emissionen und mehr Verkehrssicherheit für Kinder und Radfahrer nur mit weniger Verkehr geben kann. Aber es gab nicht weniger Verkehr, sondern mehr (nur am Mainkai nicht)!

Die Mainkai-Sperrung war eine reine Verschiebung von Verkehrsmassen, von einer Straße in andere, von einer Mainseite auf die andere. Da dem Verkehr vorbereitungslos Fläche entzogen wurde, erhöhte sich überall im Stadtkern die Verkehrsdichte - mit gravierenden negativen Folgen für die Lärm- und Emissionsbelastung.

Alle Ziele, die man mit der "sozial-ökologischen Verkehrswende" erreichen wollte, wurden konterkariert. Und alle Probleme, die man lösen wollte - zu viel Verkehr, Lärm und Emissionen und zu wenig Platz und Sicherheit für Kinder und Radfahrer - wurden nicht nur nicht gelöst, sie wurden sogar verschärft.

Die Kardinalfehler

Planlosigkeit

Die Mainkai-Sperrung wurde als Ziel betrachtet und nicht als das was sie ist - eine Maßnahme

Eine Verkehrsplanung die zu einer Verkehrswende führt, besteht aus Zielen, Strategien und Maßnahmen, die top-down alle voneinander abzuleiten sind. Die Sperrung einer einzelnen Straße ist eine Maßnahme und kann kein Ziel einer Verkehrswende sein. Wer gleich mit Maßnahmen beginnt, agiert im strategiefreien Raum und setzt Dinge um, die eventuell gegen die Ziele einer Verkehrswende gerichtet sind. So auch die Mainkai-Sperrung. ZIEL JEDER VERKEHRSWENDE MUSS WENIGER VERKEHR IN DEN ZENTRALEN STADTTEILEN SEIN. Mit der Mainkai-Sperrung wurde das Gegenteil erreicht.

Straßensperungen müssen Teil eines Maßnahmenbündels zur Umsetzung einer Stategie sein, deren übergeordnetes Ziel es sein muss, den Verkehr Stadtzentrum Frankfurts zu reduzieren. Sie dürfen nicht völlig isoliert von anderen Maßnahmen durchgeführt werden. Der Verkehr im gesamten Stadtzentrum inkl. Nordsachsenhausen muss als Ganzes betrachtet, die Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt werden.

Vorbereitungslosigkeit

Hauptverkehrsstraßen kann man nicht sperren ohne vorher die Voraussetzungen dafür zu schaffen

Städte wie London, Stockholm etc. haben eine City-Maut eingeführt um den Verkehr im Stadtzentrum zu reduzieren. Andere wie Düsseldorf etc. haben den Verkehr unter die Erde gebracht und untertunnelte Stadtquerungen geschaffen.

Die Frankfurter Mainuferstraßen sind Hauptverkehrsstraßen, die mitten durchs Stadtzentrum führen. Die kann man niemals sperren, ohne ein Verkehrschaos in anderen Straßen anzurichten, wenn die Voraussetzungen dafür vorher nicht geschaffen werden. Entweder man sorgt für eine signifikante Verkehrsreduzierung im Stadtkern durch eine City-Maut oder man bringt den Verkehr unter die Erde (z. B. durch einer Verlängerung des Theatertunnels.) oder - noch besser - man kombiniert beides.

In München treibt man aktuell einen 15KM langen Tunnel durch die Stadt, in Frankfurt schafft man es noch nicht einmal, den Theatertunnel um wenige KM zu verlängern.


Keine Bürgerbeteiligung

Die Mainkai-Sperrung war eine Idee der SPD. Die betroffenen Bürger wurden nie gefragt.

Autofreie bzw. verkehrsberuhigte Innenstädte sind gravierende Eingriffe in den Straßenverkehr, die gravierende negative Folgen für die Wirtschaft aber auch für die Innenstadtbewohner selbst haben können. Solche Eingriffe kann man nicht durchführen, ohne die betroffenen Bürger - nämlich der Bewohner der Stadtteile Innenstadt, Bahnhofsviertel und Nordsachsenhausen - zu befragen. Dabei muss den Befragten bewusst sein, zu welchen Folgen die Maßnahme führen wird.

In Stockholm wurden die Bürger vor der Einführung der City-Maut befragt. Danach wurde ein Testbetrieb durchgeführt, in dessen Verlauf jeder sehen konnte, zu welchen positiven und negativen Folgen die Maßnahme führt. Danach wurde erneut eine Befragung durchgeführt.

Falscher Beginn

Die Verkehrswende am Mainkai zu beginnen, war eine geradezu idiotische "Strategie"

Wer eine autofreie oder verkehrsberuhigte Innenstadt will, sollte auch in der Innenstadt beginnen und nicht mit der Sperrung einer Hauptverkehrsstraße an ihrem Rand, die die Verkehrsmassen dieser Straße in die Innenstadt spült.

In Frankfurt bietet es sich geradezu an, zuerst in den kleinen Straßen der Altstadt zu beginnen, sich von innen nach außen vorzuarbeiten und sukzessive die gesamte Innenstadt zu beruhigen.

Eine Sperrung der großen Verkehrsadern, die durch die Innenstadt führen, wie z. B. des Mainkais oder der Berliner Straße ist ohne Untertunnelung völlig unmöglich. Das führt zwangsläufig zu einem signifikant höheren Verkehrsaufkommen im Stadtzentrum und damit zum Gegenteil einer Verkehrswende.